Können sie es nicht lassen?

oder merken sie es gar nicht?

Richter: „Herr Zeuge, bis wann waren Sie denn in der Kneipe?“

Zeuge: „Das weiß ich nun wirklich nicht mehr.“

Richter: „Ungefähr, 3 oder 4?“

Zeuge: „Keine Ahnung, vielleicht 3.“

Richter: „Ok, also 3, dann können Sie den Vorfall um 5 ja gar nicht beobachtet haben!“

Zeuge: „Aber ich weiß doch gar nicht, wann ich gegangen bin.“

Richter: „Herr Zeuge, ich weise Sie auf Ihre Wahrheitspflicht hin, vor einer Minute haben Sie mir gesagt, dass Sie um 3 gegangen sind!“

Ein Einzelfall, der heute in irgendeinem Amtsgericht ausnahmsweise so geschehen sein könnte? Ein Ausreißer, gar ausgedacht? Nein, leider tagtägliches Geschäft. Richter fragen nie suggestiv, oder merken sie es vielleicht gar nicht?

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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5 Antworten zu Können sie es nicht lassen?

  1. Christoph Nebgen schreibt:

    Herr Verteidiger, das ist eine rhetorische Frage und daher unzulässig. Aber: Ja, sie merken es nicht. Sie handeln im guten Glauben, es richtig zu machen, aber sie können es nicht.

  2. Zwerg schreibt:

    Könnte statt „Richter“ aber auch „Verteidiger“ davor stehen …

  3. Carsten R. Hoenig schreibt:

    @Zwerg: Verteidiger verfügen aber nicht über die Macht, anderen Menschen die Freiheit und das Vermögen zu nehmen und/oder deren Existenz zu vernichten. Richter am Amtsgericht aber schon.

  4. kj schreibt:

    @hoenig
    Zwerg hat Recht, zu 90 %, sind es Anwälte sind so fragen.
    Ich denke es gibt mehr Anwälte die Existenzen vernichten, als Richter. Die sind sich zu Beispiel nicht zu schade, Schüler mit Abmahngebühren von einigen hundert Euro abzumahnen, nur weil sie ihren Lieblingssong illegal runtergeladen haben. Vor Gericht gäbe es allenfalls eine wesentlich geringere Geldstrafe. Es gibt mehr ruinierte Personen nach Scheidungen als nach Verurteilungen. Leider gibt es da einen Schulterschluss zwischen Anwälten, Staatsanwälten mit den Gerichten um Freiheitsrechte für eine vermeintliche Ordnung und Gewinninteressen von Advokaten uhnd Lobbygruppen aufrechtzuerhalten.

  5. Experte schreibt:

    Als Verteidiger kann man ja die Frage des Richters beanstanden und eine Protokollierung herbeiführen.

    Beanstandet andersherum ein Richter die Frage eines Verteidigers, wird der Richter als befangen abgelehnt.

    Von daher verstehe ich die Aufregung nicht.

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