Der undankbare Mandant

Nachzahlung

Vorschuss hatte ich dem Mandanten abgenommen, moderate 350,00 €. Dafür gab es den fristwahrenden Einspruch gegen einen Strafbefehl, die Akteneinsicht, das Einscannen, das Durcharbeiten und den dringenden Rat, den Einspruch wieder zurückzunehmen, weil die Wahrscheinlichkeit, dass es deutlich teurer werden wird, gegen 100% einzuschätzen war.

Das hat er verstanden und wollte jetzt „natürlich“ seine 350,00 € wiederhaben, weil ich ja „nichts“ gemacht habe. Ich nehme das zur Kenntnis, werde genauestens abrechnen und ihm mitteilen, was er noch nachzuzahlen hat.

Eine möglicherweise zuvor angedachte Großzügigkeit, es bei dem spärlichen Vorschuss zu belassen, hat sich verflüchtigt. Nachhaltig!

DSC00053

Advertisements

Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
Dieser Beitrag wurde unter Braunschweig, bundesweit, Fachanwalt, Rechtsanwalt, Strafrecht abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

16 Antworten zu Der undankbare Mandant

  1. Stefan Costabel schreibt:

    Genau das Gleiche ist mir auch gerade passiert. Eine Unverschämtheit. Großzügigkeit lohnt sich nicht

  2. Miraculix schreibt:

    Bei allem Verständniss dafür daß man mit Dienstleistung Geld verdienen muss (das geht mir genau so); versuchen Sie mal die Sicht des Mandanten:
    Die Einschaltung des Anwalts hat Ihm ausser einer zusätzlichen finanziellen Belastung genau gar nicht gebracht!
    Sicher nicht in der Verantwortung des Anwalts; aber im Ergebnis nicht wegzudiskutieren.
    Damit ein unverschämtes Verhalten zu begründen ist zumindest nicht sehr Kundenfreundlich.
    Evtl. nehmen Sie sich etwas Zeit um dem Mandanten Ihre Sicht zu erklären. Wenn Sie das richtig anfangen wird er Sie verstehen, die 350,- € akzeptieren und Ihnen das nächste Mandat vertrauensvoll übertragen.

    • Lesen Sie den Text noch einmal. Der dringende Rat, den Einspruch zurück zu nehmen, hat dem Mandanten eben nicht „genau gar nicht eingebracht“, sondern ihn vor größerem Schaden bewahrt, in den er ohne Anwalt blindlings hineingelaufen wäre. Und wenn der Rat des Anwalts falsch sein sollte (wenn zB eine mündliche Verhandlung zum Freispruch geführt hätte), dann ist der Mandant der erste, der ihn auf Schadensersatz verklagt.

      • mendel schreibt:

        „Der dringende Rat, den Einspruch zurück zu nehmen, hat dem Mandanten eben nicht “genau gar nicht eingebracht”“ — na ja, es war ja derselbe Anwalt, der den Einspruch eingelegt hat. Wäre Herr Siebers nicht tätig geworden, wäre für den Mandaten unterm Strich das gleiche herausgekommen – mit dem Unterschied, dass Herr Siebers jetzt weiß, dass es nicht besser ging. Der Mandant hat für dieses Wissen über 350 Euro zu bezahlen. Dafür kann er 35 Stunden Nachhilfe in einem Schulfach seiner Wahl bezahlen – oder ein schönes Management-Seminar belegen. Nur dass dieses Wissen natürlich nicht auf seinen Einzelfall zugeschnitten ist.
        Aber vermitteln Sie mal Leuten, die mit Bildung nichts am Hut haben, dass Wissen Geld wert ist!

  3. RA Siebers schreibt:

    @Miraculix Klar, wenn ich – im Auftrag des Mandaten- die Akte holen lasse, – im Auftrag des Mandanten – 250 Seiten lese und – im Auftrag des Mandaten – analysiere, weil er wissen will, ob sich das Weitermachen lohnt, und dann zu dem Ergebnis komme, dass es sich nicht lohnt, ihm – im Auftrag des Mandanten – das auch noch am Akteninhalt erkläre, dann habe ich nichts getan!

    Ich glaube wirklich, Sie sollten ganz schnell sehen, dass Sie mit Ihrer Einstellung einen Staat finden, in dem Sozialismus vorherrscht. Nordkorea würde Ihnen stehen.

    • Miraculix schreibt:

      Das haben Sie missverstanden. Natürlich haben Sie etwas getan.
      Im Ergebnis ist das aber einem der mit Juristerei nix am Hut hat
      nicht klar. Für den bleibt genau gar nichts.
      Dieses muss man vermitteln, dann akzeptieert der Mandant auch
      daß es etwas kostet.
      Das geht mir übrigens genau so; jeden Tag.

  4. D. H. schreibt:

    Ich schließe mich an und wäre als finanziell schwacher Laie auch etwas unwillig zu zahlen ohne zu wissen was für eine Leistung dahinter steckt!
    Dienstleistungen sind subjektiv, wenn da steht 250 Seiten gelesen ist das eben kein Buch, sondern eine Akte und die muss man mit dem Wissen und Gewissen seines Berufs lesen. Schwer zu verstehen wie viel mehr Arbeit das z.B. zum Umgraben eines Gartens ist.
    Aus dem Grund würde ich mich so sehr wünschen, dass Anwälte empathischer wären. Der Beitrag ist grob geschrieben und zeigt wie ungerecht sich ein Anwalt behandelt fühlt und als Konsequenz (Strafe) eben strikt abrechnen will, nach dem man es „dem Mandanten abgenommen“ hat.
    Wirklich großzügig wäre es nach einer offenen Kommunikation mit dem betreffenden bei dem man mal ausspricht wie entwertet man sich fühlt zu hören, ob die Großzügigkeit wirklich aus sicht des Mandanten ein Gefallen war oder nicht.

  5. rawsiebers schreibt:

    Fragen Sie den Frisör, warum die Frisur das kostet, was sie kostet?

  6. kj schreibt:

    Also ich bin ja nun eher knausrig, aber ich würde, wenn es bei 350 Euro verblieben wäre, äußerst zufrieden sein und hätte alles andere getan als mich beschwert. Bei manchen Werkstätten kostet so viel ja nur eine Inspektion.
    Wenn Sie einen Garten von einem Gärtnerbetrieb umgraben machen, dann kostet das bestimmt auch nicht viel weniger, wobei selbst ich das könnte.
    Ein Bekannter hat für sowas 1.500 Euro an einen Rechtsanwalt bezahlt, obwohl die Staatsanwaltschaft auch ohne das der Anwalt irgendetwas gemacht hat, von sich aus das Verfahren eingestellt hatte. Der war allerdings Arzt, aber dafür die Sache wirklich nur Schnullikram. Er wollte aber auf meinen Rat erst mal nix sagen und abwarten, ob überhaupt ein Strafbefehl kommt, nicht hören.
    Ein anderer Anwalt hätte vielleicht die Hauptverhandlung einschließlich Berufung ohrn Erfolg durchgeführt, dann wären es locker über 2000 Euro Kosten geworden.

  7. RA Hart schreibt:

    Ähnlich „motivierend“ ist immer die Aussage “was, für den einen Brief wollen sie 250 € haben?“
    Nicht bedacht wird dabei die Vorleistung, die hinter diesem einen Brief steckt -abgesehen davon, dass es in den meisten Fällen nicht dabei bleibt. Worin die Vorleistung besteht, hat der Kollege Siebers bereits beschrieben.
    Das ist vielleicht ein sehr triviales, aber bildhaftes und einleuchtendes Beispiel, wenn ich einem Mandanten das Wesen eines Vorschusses erklären will: Ich frage ihn, wie das läuft, wenn er sich ein Brötchen mit Bratwurst kaufen will: Der Verkäufer hat das Brötchen in der rechten Hand und streckt die linke aus, weil er „ein Geld“ möchte. Dann erfolgt der Austausch der Leistung, indem er das Brötchen übergibt.
    Sehr trivial, ich weiß. Aber oft stelle ich dann fest, dass der Mandant zustimmend nickt u. es versteht.

  8. Anonym schreibt:

    Was lehrt uns (RAe) das? Einspruch einlegen. Aufrechterhalten. Termin wahrnehmen und die Terminsgebühr auch noch einstreichen.

  9. Miraculix schreibt:

    @Anonym
    Ganz falsch. Auf diese Art gibt es immer nur Einmalmandanten.
    Die Leistung und den Wert der Leistung vermitteln ist der einzig richtige Weg.

  10. Thomas Krause schreibt:

    Wenn ich schon Unterlagen mit den Hinweis bekomme, ich soll mir das „nur mal durchlesen“, weiß ich schon was Phase ist. Als ob mich jemand fürs Lesen bezahlen würde (das hätte was ;))

  11. RA Gerhard schreibt:

    Von den 350,00 Euro bleiben Ihnen abzüglich MwSt., Auslagen, Kanzleikosten und Einkommensteuer doch mindestens satte 140,00 Euro. Unser Kostensenat beim OLG würde sagen: dafür muß ein Anwalt locker 20 Stunden arbeiten, ohne auch nur entfernt an eine Pauschgebühr denken zu dürfen. Also stellen Sie sich nicht so an.

  12. Pingback: Bessere Jobchancen durch Chrome und Firefox | reuter-arbeitsrecht.de

  13. Pingback: Rechtsanwalt, Steuerberater, Hoyerswerda, Bautzen, Kamenz, Löbau | r24.de Rechtsanwalt Steuerberater

Kommentare sind geschlossen.