Tanke – nein danke

Ich will doch nur tanken

Lieber Herr ARAL,

ich bin der Letzte, der kein Verständnis dafür hat, dass Du auch an belegten Brötchen, Kaffee, Schokoladenriegeln, Zeitungen, Damenbinden, Tabakwaren und was auch immer für einem Tante-Emma-Scheiss Kohle machen willst.

Aber musst Du dafür die Kunden Deines Kerngeschäftes, den gemeinen Tanker, der weder nebenbei noch kurz eine Curry-Wurst oder einen PlürreKaffee-To-Go „genießen“ will, so sehr vergraulen, muss das wirklich sein?

Du hast meist zwei „richtige“ Kassen und dann noch so eine Pufferbuden-Kasse an der Warm-Theke. Blöd nur, dass Deine Aushilfs-Oberkellnerinnen ganz oft mit Deinem NichtKerngeschäft, dem Erwärmen der Plürre, dem Garnieren des uritalienischen WeißmehlschwammsCiabattas und dem Packen der Brötchentüten so überlastet sind, dass die Kerngeschäftskassen geschlossen sind mit dem dezenten Hinweisschild, man möge sich an der NichtKerngeschäfts-Curry-Wurst-Kasse anstellen.

Und dann stehe ich da, als Nummer 007 in der Reihe der zahlungswilligen Kunden und höre mir dann an:

„Hei, Willi, heute aber spät dran.“

„Jau, wir mussten heute noch die Tour von Kalle übernehmen.“

„Ach, ist der krank? Salami oder Käse heute?“

„Nein, die Tochter hat gestern ein Kind bekommen. Salami.“

„Mädchen oder Junge? Großen oder kleinen PlürreKaffee?“

„Groß. Und dann gib nochmal den Kloschlüssel, wenn wir schon bei groß sind. Hihihi.“

„Warte, Salami muss ich kurz belegen, iss aus.“

Aushilfs-Oberkellnerin marschiert zur Anrichtetheke im Hintergrund, holt helles längliches Etwas, schneidet es auf, legt Salatblatt, einen Paprikastreifen hinein und sortiert säuberlich angeordnet drei fächerhaft aufgeteilte Salamischeibchen auf der pappigen Unterlage. In der Zwischenzeit reihen sich hinter mir Nummer 8 und Nummer 9 in die Reihe. Ein Kerngeschäftskunde, der auch „nur“ getankt hat, es so eilig zu haben scheint wie ich (er flüstert beim Anblick der Schlange und der ungeschickt salamiverteilenden Aushilfsoberkellnerin zu sich selbst: Ach Du Scheiße) und ein Nichtkerngeschäftskunde, der schon vor seiner Einreihung eine Packung Butterkekse, einen Liter Castrol 10W40, eine BILD, zwei Cola Zero und einen ARAL-Ball (Sonderangebot für die kleinen Nichtkerngeschäftskundenkinder und Kerngeschäftskundenkinder) gegriffen hat und jetzt ungeschickt jongliert; getankt hat er aber wohl auch, also ein gemischter Nichtkerngeschäfts- und Kerngeschäftskunde. Die Aushilfs-Oberkellnerin plaziert den Deckel des weißen pappigen länglichen Etwas auf der salamibelegten Unterlage, legt alles auf einen feinen weißen Porzellanteller und bringt Willi sein Frühstück.

„So. Wie war das mit dem Kaffee? Groß, ne?

„Ja, groß, und den Kloschlüssel!“

Aushilfs-Oberkellnerin stratzt zum Kaffeevollautomaten, plaziert den großen Becher unter der Kaffeeauslaufeinrichtung und hört zu, wie das Gerät die Bohnen zermalt, dann das Wasser auf das Kaffeemehl drückt. Dann schaut sie, wie der dünne dunkle Strahl langsam in den Becher pieselt, gleichwohl vergisst sie jetzt wohl den Toilettenschlüssel, während ich denke, dass es eigentlich ein Wunder ist, warum bei einer solch beeindruckenden Maschine der Kaffee so beschissen schmeckt.

„So, Dein Kaffee“.

„Der Toilettenschlüssel!?“

„Ach ja.! Muss ich kurz nach hinten. Warte kurz.“

Aushilfs-Oberkellnerin bewegt sich in die hinteren Katakomben, um den Toilettenschlüssel für Willi zu holen. Auf dem Rückweg plötzlich: Das Telefon klingelt. Aushilfs-Oberkellnerin stoppt, nimmt den Hörer ab und flötet in bester CallCenterMarnier:

„ARAL-Station Idiotenweg, mein Name ist Melanie Schweinebacke, was kann ich für Sie tun?“ …………. „Ach, da kann ich Ihnen leider nicht helfen, das müssen Sie mit dem Chef besprechen.“ ……………… „Nein, der ist leider nicht im Hause, der kommt immer erst gegen 11.“ …………….. „Nein, heute kommt er später“.   ……………. „Ja, gut, ich sage es ihm, warten Sie, ich muss etwas zum Schreiben holen, dann geb ich ihm Ihre Nummer.“

Aushilfs-Oberkellnerin und Hilfs-Callcenteragentin legt den Hörer neben den Apparat, Bezahlkunden 10 und 11 reihen sich ein, Aushilfs-Oberkellnerin marschiert in Richtung mangels weiteren Personals gesperrter Kernbereichskassen, um Zettel und Papier zu holen, Willi beißt schon mal in seine Salamipappe, Pulsschlag des Kernbereichskunden hinter mir erhöht sich hörbar, er atmet bereits leicht schnappig.

Aushilfs-Oberkellnerin notiert Telefonnummer, verabschiedet sich höflich, wünscht noch einen schönen Tag und betont, dass sie selbstverständlich dem Chef sofort die Telefonnummer gibt, wenn er im Hause ist. Hörer aufgelegt, Toilettenschlüssel geschnappt und ab zur Pufferbundenkasse. Willi hat sein SalamiDings halb verzehrt, Schweinebacke hackt etwas in die Kasse und sagt:

„Macht XX Euro 53.“

„Warte, ich habs klein“

Willi schüttet den Inhalt des Hartgeldfaches seines Geldbeutels (bei „Portemonnaie“ muss ich immer googeln, weil ich doch nicht ganz sicher bin, ob ich es richtig schreibe) auf die blaue ARAL-Hartgeldentgegennahme- und Rückzahlungsschale, und gemeinsam werden nun XX Euro 53 in Einzelmünzen aus dem Häufchen gezählt, in die Kasse geworfen und sich freundlich angelächelt.

„Brauchste den Bon?

„Nee, aber was ich vergessen habe, gib mir noch zwei rote Marlboro, die echten, weisste!“

„Ja klar, warte!“

Aushilfs-Oberkellnerin trottet wieder in Richtung des rückwärtigen Kerngeschäftskassenbereiches, Willi verdrückt den Rest seiner Salamipappe, Kunde hinter mir kollabiert fast, Nichtkerngeschäftskunde 15 (die Schlange hatte sich verlängert) legt die von ihm eingesammelten Nichtkerngeschäftsgegenstände mit der Bemerkung: Das dauert ja bis nächstes Jahr (heute ist der 9. April, aber möglicherweise hat er ja Recht) auf einen der feinen Bistro-Tische und trottet Richtung Ausgang.

Melanie (innerlich duze ich sie jetzt schon, weil ich kenne sie ja zumindest als Beobachter schon ziemlich gut) bringt Willi seine Lungenzerstörer, tippt wieder auf der Kasse herum, nennt den Preis, bekommt das Geld, Willi bekommt seinen Kloschlüssel, schiebt seinen bekrümelten Teller zurück und meint:

„Ach, mach mir noch eins!“

„Klar, warte!“

Die Geschichte mit Willi geht weiter, die Schlange der abzukassierenden Kunden ist bezüglich der Kerngeschäftskunden natürlich begrenzt im Umfang der Anzahl der Zapfsäulen, die nicht freigeschaltet werden können, wenn der Vortanker nicht gezahlt hat, außerdem steht ja dessen Auto noch vor der Säule, so dass sich nicht nur die Kundenschlange der Nichtkerngeschäftskunden vor der einzig bedienten Kasse an der warmen Theke dramatisch verlängert (Nummer 8 hinter mir ist zwischenzeitlich bewusstlos in sich zusammengesackt, was Nummer 9 bis 37 freut, weil es dadurch natürlich schneller geht), sondern die tankwilligen Fahrzeugführer stehen mit ihren Fahrzeugen nun schon auf der Straße außerhalb des Tankstellengeländes in einer kaum überschaubaren Fahrzeugschlange, weil sie an anderen Tankstellen, die mit einem ähnlich idiotischen Kerngeschäftskunden vergraulenden Bedienkonzept vorbeigefahren sind in der Hoffnung, bei ARAL ist alles besser (man irrt sich halt hin und wieder).

Willi hat aber irgendwann alles, was er braucht, kann aufs Klo, in Windeseile geht es zum nächsten Kunden.

„Die 5 bitte.“

„Haben Sie eine Payback-Karte?“

„Nein.“

„Wollen Sie eine?“

„Was habe ich davon?“

„Ich erkläre Ihnen das mal. Also ………………………..“

Nachdem dann das Paybackkartenantragsformular ausgefüllt wurde, gezahlt wurde, eigentlich alles erledigt ist, kommt noch das obligatorische Gesülze:

„Noch einen Kaffee dazu?“

„Ja bitte!“

„Oh, Moment bitte, den muss ich erst machen, der ist nämlich ganz frisch, wissense!“

Lieber Herr ARAL,

ich musste mit dieser realistischen Schilderung leider etwas untertreiben, weil mir weitere Details einfach entfallen sind. Ich habe gefühlte sieben Stunden gewartet, bis ich zahlen konnte. Vor Monaten hatte ich als Vieltanker eine ARAL-Card geordert, weil ich dachte, dass damit der Bezahlvorgang beim Tanken abgekürzt wird und alles leichter wird. Dass ich damit aber eine Eintrittskarte für den Kinofilm: „Wir machen nur noch Curry-Wurst und Tankkunden sind uns Scheißegal“ gewonnen habe, ist mir vorher nicht offenbart worden.

Es könnte möglicherweise bedenkenswert sein, die Tankstellenbetreiber anzuweisen, das Personal so zu organisieren, dass die Nichtkerngeschäftsarbeiten nicht dazu führen, dass man nun regelmäßig und an fast jeder Ihrer Tankstellen für das Bezahlen länger benötigt als für das Tanken.

Und wenn das dann zu teuer wird, weil man dafür einen zweiten oder dritten Kassierer/Aushilfsoberkellner/Frittenbrater/Kaffeepanscher bräuchte, sollte vielleicht das Konzept überdacht werden.

Ich jedenfalls habe die Schnauze gestrichen voll, und zwar nicht von dem Fraß, den mir Schweinebacke mit ihren abgekauten Nägeln zubereitet, sondern von Ihrem fehlgeleitetem Konzept („Bei uns bekommst Du alles und wirst schleimig zugesülzt wie bei jedem widerlichen AbzockerCallCenter, egal wie lange der Tankkunde auf die Bezahlung seiner Rechnung warten muss“) und werde hoffentlich immer eine kleine Tanke um die Ecke finden, bei der das Nichtkerngeschäft nur nebenbei läuft und ich schnell bezahlen kann, ohne zusehen zu müssen, wie Willi seine Wünsche erfüllt bekommt (Kopfkino aus: Willi fand Melanie ganz gut, wer weiss, was wir uns noch hätten ansehen müssen, wenn ……).

Mir ist natürlich klar, dass ich ein querulatorischer Einzelfall bin und Dir, lieber Herr ARAL, das Geschäft nicht versaut wird, wenn nur ich bei Euch aus Prinzip nicht mehr tanken werde, aber: Ich musste das einfach mal los werden!

Gesunde Freuden

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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16 Antworten zu Tanke – nein danke

  1. Harry Sabbatti schreibt:

    …und genau deswegen tanke ich bei der Jet!
    Immer ein paar Cent günstiger und zumindest meine Tanke ohne überbordenden Snackbereich.
    Da geht´s immer flott zur Sache. Aber ich habe auch Glück, dass auf meinem Weg zuerst die ARAL und dann gleich die Jet Tanke liegt.

    Sabbatti

  2. kj schreibt:

    Mit dem Anweisen dürfte schwierig sein, da die Tankstellenbetreiber selbstständige Unternehmer sein dürften und ihr Geld nicht mit dem Tanken, sondern dem anderen Geschäft verdienen. Das ist für die Mineralölkonzerne am billigsten und die meisten Kunden sind ja gehalten zu tanken.

    Anwälte sind da auch oft nicht immer kundenorientiert. Eine klare Ansage, was für das Verfahren und je Verhandlungstag in Rechnung gestellt wird, ob mit einer Rechtsschutzversicherung das finanzielle geklärt ist, welcher Aufschlag verlangt wird, würde das Aufsuchen eines Anwalts wesentlich erleichtern. Manche berechtigte Klagen werden offenbar aus Gebühreninteresse mit weiteren Forderungen aufgepeppelt, so das das Klagen letztlich unwirtschaftlich wird.
    Ist aber nicht regelmäßig bei Anwalts so.

    Ist wie bei der Tanke. Solange genug Kundschaft da ist, ist der Service eher schlecht.

  3. rawsiebers schreibt:

    Die Mineralölkonzerne haben sehr wohl einen erheblichen Einfluss auf die Art und Weise des Berteibens der einzelnen Tankstelle. Warum gibt es denn bundeseinheitlich dieselben Pappmache-Pseudo-Ciabattas; weil zufällig alle einzelnen Tankstellenbetreiber in ganz Deutschland denselben Lieferanten haben?

    Und, lieber @kj, wann waren Sie persönlich letztmalig bei einem Anwalt? Kritik vom Hören und Sagen ist Stochern im Nebel.

    Und „Aufpeppeln im Gebühreninteresse? Einäugige Vermutungen eines notorisch genervten Amtsrichters?

    Und was ist mit Aufpeppeln der Statistiken für den nächsten Geschäftsverteilungsplan? Erhebung und Zulassung von Anklagen beim Schöffengericht, bei denen vorher auf der Hand liegt, dass die Strafgewalt des Strafrichters mit Sicherheit ausreicht. Erhebung und Zulassung von Anklagen beim Landgericht, obwohl im Leben nicht mehr als vier Jahre herauskommen werden und die Bedeutung jedenfalls nicht mehr als durchschnittlich ist?

    Das ist ein bewusstes Aufpeppeln mit dem kleinen Unterschied, dass damit bewusst das Recht gebeugt wird und der Angeklagte bewusst seinem gesetzlichen Richter entzogen wird!

    Wollen wir diskutieren, was schwerer wiegt?

    Und, das sei hier nochmals gesagt: ARAL nervt! Und zwar, weil der Konzern dieses bescheuerte Konzept vorgibt. Und da sind SHELL, ESSO und Konsorten nicht viel besser, um das deutlich zu machen.

  4. MH schreibt:

    Als ehemalige langjährige Aushilfe während der Studienzeit an den roten Tankstellen mit dem Tiger, kann ich nur bestätigen, dass diese Dialoge teilweise in der Art und Weise (vor allem in einem 5000-Seelen-Kaff/Dorf) tatsächlich stattfinden. Aber soll ich Ihnen noch etwas verraten? Das wird leider so erwartet; man kennt sich halt. Wenn Sie auf der Straße einen Bekannten grüßen, erwarten Sie ja auch, dass dieser Sie zurück grüßt.

    Weiterhin: Dieses Snack-Überangebot ist mittlerweile ÜBERLEBENSNOTWENDIG für die Tankstellenbetriebe. Und ja Herr Siewers, auch hier muss ich Ihnen Recht geben: Die MIneralölkonzerne könnten etwas daran tun, indem sie dem Pächter oder Eigentümer schlicht und einfach bessere Margen im Hinblick auf den Benzinverkauf einräumen. Aber nein, Exxon, Shell und Co. scheffeln Millarden, während die Pächter in einem etwas besseren Verkaufsjob bei weniger Stress (eine Tankstelle ist ein absolutes Fulltime-Unternehmen, das ständig Aufmerksamkeit seitens der Betreiber braucht) mehr verdienen würden.

    Wenn Sie bei uns im Ort an der Tankstelle vorbeischauen, werden Sie merken, dass auch die Aushilfe, mit etwa 7 Euro die Stunde auch nicht gerade überbezahlt, allerdings folgende Sachen behrrschen muss: Kasse, die eher wie ein PC, als wie ein Taschenrechner funktioniert, Lotto-Annahmeterminal mit ständiger verpflichtender Weiterbildung seitens Lotto, Bedienung und Bewirtung des Backshops (mit – zugegeben – Unterstützung einer weiteren Kraft), und das meist, auch an Feiertagen, alleine. Was an Feiertagen bei gutem Wetter dort los ist, können Sie sich selbst ausmalen.

    Ach ja und das darf ich natürlich nicht vergessen: Absolute Freundlichkeit, auch, wenn Sie noch so eine beschissene Laune haben und der Bonze in der S-Klasse sich zum x-ten Mal über die mangelnde Reinigung der Waschanlage beschwert, aber trotz alledem immer wieder kommt. NIrgendwo finden Sie ein solch breites Spektrum an Charakteren, mit denen Sie umgehen können müssen. Sonst sind Sie, vor allem auf dem Dorf, schneller wieder vom Job weg, als Ihnen lieb ist.

    Klar, Tankstellen sind schlecht und der Inbegriff der Raffgierigkeit unseres Staates und großer Multi-Millarden-Konzerne. Aber muss man denn ständig die selbe Leier hinsichtlich der Tankstellen abfahren?
    Wegen der ach-so-hohen Benzinpreise regen sich die Leute auch schon seit Beginn der Preisexplosion auf (so um den 11. Septemper 2001 als Grenze hierfür), getan wurde bis heute nichts, außer an den Leuten, die am Wenigstens für den ganzen Mist können, nämlich den Kassierern, seinen Frust auszulassen. Blasen Sie bitte, als Akademiker und Rechtsanwalt, weiter in das selbe Horn, irgendwann wird der erste Mitarbeiter schon wegen der Preise vom Mob gelyncht, dann haben wir unsere „Benzinkatastrophe“…

  5. maxrheub schreibt:

    Es gibt Tankstellen, bei denen man direkt an der Zapfsäule mit Karte zahlen kann.
    Die sollte man sich merken, wenn man in Eile tanken will.

    Den beschriebenen Fall hätte man ganz unauffällig und zum eigenen Nutzen zu einer Übung in Zen umwandeln können. Nun gut, Sie haben es durch den Blogeintrag in gewissem Sinne nachgeholt.

    Oder man hätte zur Selbestbelustigung Aufmerksamkeit erregen können, zB mit ein paar lauten Gesangsübungen. Oder mit einem lauten Gespräch „Kommt es Ihenn auch immer hoch wenn Sie solche Brötchen sehen?“ Da gibts kunstvolle Möglichkeiten … und mit schwarzbeanzugten distinguierten Herrschaften ind er Schlange erst … sowas wird erschreckend komisch. Ist dann auch irgendwie Zen.

  6. RA Studi-Tankwart schreibt:

    Das Benzinverkaufen ist schon lange nicht mehr das Kerngeschäft einer Tankstelle. Pro Liter erhalten die Pächter 1-2 Cent. Damit kann man nicht einmal die täglichen Kosten für den Betrieb der Tankstelle zahlen. Das ist in etwa so kostendeckend wie die Grundgebühr des Pflichtverteidigers in einem Wirtschaftsstrafverfahren. Das Kerngeschäft einer Tankstelle ist der angeschlossene Supermarkt. Benzin wird nur nebenbei verkauft und bringt überhaupt kein Geld.

  7. Miraculix schreibt:

    Ein einigermassen gutgehende Tankstelle setzt ca. 40.000 Liter Kraftstoff um.
    Wenn der Pächter einen alten Vertrag hat oder Ihm das Grundstück gehört kann er auf 3 Cent Vergütung pro Liter kommen. Macht 1200,- Euro im Monat.
    Die meisten Tankstellen erreichen das nicht. Also ist das „Nebengeschäft“ das eigentliche Hauptgeschäft. Und Kundenbeziehungen von Stammkunden müssen gepflegt werden 🙂

    Und was das Anwaltsbashing von kj betrifft, aus eigener Erfahrung weis ich daß es leider genug Anwälte gibt die zuerst mal Ihr Gebühreninteresse verfolgen und erst dann das Interesse des Mandanten. Einen wirklich guten Anwalt zu finden ist ausgesprochen schwierig.
    Und nach mehr als 200 Verfahren (Zivilrecht, beruflich bedingt) weis ich wovon ich rede.
    Die gute Seite ist: ich habe einige Verfahren gewonnen weil der Anwalt der Gegenseite lustlos und ahnungslos war 🙂

  8. RA Siebers schreibt:

    Mich interessiert nicht, ob der Tankstellenbetreiber verhungert oder die Kassiererin 3,80 € oder weniger in der Stunde hat. Ich will doch nur tanken und nicht Willi und Melanie beobachten.

  9. kj schreibt:

    Ich habe keine Statistik aufgepeppelt, als einziger Straf- und Schöffenrichter für Erwachsene bei einem kleinen Amtsgericht hätte dies nichts gebracht. Nach einem Dutzend Disziplinarverfahren wurde mir vom Landgericht bescheinigt, ohne Ansehen der Person oder des Delikts geurteilt zu haben. Nie wieder Strafsachen, lieber die langweiligen amtsrichterlichen Zivilsachen, das kann ich machen, ohne mich zu verbiegen und das Mäntelchen im Wind zu hängen und ist beruflich sicherer. Die aufgepeppelten Klagen kann man gut und schnell abweisen, nerven mich nicht.
    Ich frage mich nur, ob die oft nicht rechtschutzversicherten Mandanten über das Prozess- und Kostenrisiko genügend aufgeklärt wurden.
    Der letzte Anwalt ist schon länger her, wollte erst die Dizis für den Rechtsschutz machen und dann doch nicht. Meine Eltern hatten einen Anwalt für eine Nebenklage, für die ich als Vertreter nicht zugelassen wurde, der aber den zivilrechtlichen Vergleich mit dem Täter vor dem Landgericht angemessen berechnete.
    Habe auch zeitweise die Diskussionen bei Burhoff verfolgt, wo die Mandanten die Rechnung bekommen, weil Anwalt sich nicht mit der Rechtsschutz auseinandersetzen will. Es ist unfair, solche rechtsschutzversicherte Mandate dann erst anzunehmen, weil es genügend Anwälte gibt, die solche Mandanten gerne nehmen.

  10. Bert Grönheim schreibt:

    Ich muss beim Thema Tankstellen mangels Auto u dazu gehöriger Fahrerlaubnis passen. Das Leben als Fussgänger hat auch seine highlights. Postfiliale im Keller eines Einkaufszentrums, gefühlte Stunden bis man erst mal dort angekommen ist, Schlange ca. 12-15 Personen, ein Schalter geöffnet, ca. 25 Minuten für die Abgabe eines Einschreibens. Ein Bekannter von mir flötet mir an dieser Stelle stets etwas von Verständnis vor. Ich sage mir an dieser Stelle immer innerlich: nein,. Du fängst Dir jetzt keine Vorstrafe wegen Körperverletzung ein, nein, Du springst jetzt nicht über die Theke, nein, Du zerlegst den Laden jetzt nicht in Einzelteile. Noch hats immer irgendwie geklappt. Ansonsten weiss ich ja, wohin ich mich wenden kann.

  11. RA Siebers schreibt:

    @Bert Genau. Also los, jedenfalls den Laden zerlegen, muss ja nicht gleich eine Körperverletzung sein. (Der Troll „Gast“ wird mich jetzt wieder rügen wegen der Anstiftung zu Straftaten; ich bereue jetzt schon!)

  12. Reiner Weber schreibt:

    Herr Siebers: Sie haben nicht begriffen, dass für die Tankstellenpächter nicht das Verkaufen von Benzin das Kerngeschäft ist.
    Insofern geht Ihr Beitrag von den falschen Voraussetzungen aus: „dass Du auch an belegten Brötchen, Kaffee, Schokoladenriegeln, Zeitungen, Damenbinden, Tabakwaren und was auch immer für einem Tante-Emma-Scheiss Kohle machen willst.“ ist eben falsch. Der Pächter (der übrigens gerade nicht der Herr Aral ist) wil nicht AUCH damit Kohle machen, er macht eigentlich nur damit Kohle, da er am Verkauf des Bezins nichts verdient.

    „Mich interessiert nicht, ob der Tankstellenbetreiber verhungert oder die Kassiererin 3,80 € oder weniger in der Stunde hat.“
    Den Tankstellenbetreiber oder die Kassiererin interessiert das aber schon. Dem Mandanten interessiert auch nicht, ob Sie verhungern oder nicht. Ist das für Sie ein Grund, Ihr Gebühreninteresse völlig auszublenden und z.B. immer nur eine 0,5 Geschäftsgebühr zu berechnen?

  13. rawsiebers schreibt:

    Ich frage mich ernsthaft, ob ich fast ausschließlich Kommentatoren habe, die völlig humorlos sind und weder Satire, Ironie, Augenzwinkern oder zielgerichtete Übertreibungen verstehen. Schade eigentlich!

    • isi schreibt:

      Ich kann mich Guido nur anschliessen… und Ihnen auch, obwohl ich die „Dunkle Seite der Macht“ auch kenne… 😉

  14. Guido schreibt:

    Nö, ich habe mich köstlich amüsiert… 🙂

  15. Anno Nüm schreibt:

    @kj:
    Ein Dutzend Diszipinarverfahren? Respekt! Schafft auch nicht jeder!

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