Selbst wenn sie Recht hätten …

Die Volkswagen Leasing GmbH hat das Herz auf einem Fleck, der möglicherweise nicht der rechte ist.

Ein Fahrzeug dieser Firma ist in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt, bei dem eine Fußgängerin, die in Braunschweig eine Straße überquert, getötet wird.

Der Ehemann, jetzt Witwer, so gut wie mittellos, wird durch den Tod seiner Ehefrau völlig aus der Bahn geworfen. Ein halbes Jahr nach dem tragischen Unfall nun ein forsches Schreiben von Kollegen an den Witwer, dass er den durch seine Ehefrau angeblich verursachten Schaden (Sachschaden am Fahrzeug ca. 3.400,00 €, Wertminderung ca. 1.000,00 €, Sachverständigenhonorar ca. 500,00 €) von knapp 5.000,00 € als Erbe zu begleichen hat.

Selbst eine „Kostenpauschale“ von 25,00 € wird nicht vergessen, die Kollegen hauen auch noch 411,30 € hinten rein.

Selbst wenn die Ehefrau den Unfall allein verschuldet hätte, die Volkswagen Leasing GmbH also formal im Recht wäre mit der Geltendmachung dieser Ansprüche, könnte man auf die Idee kommen, dass es auch andere Möglichkeiten gegeben hätte, diesen Schaden abzuwickeln.

Ich verstehe jedenfalls den Witwer, dass er Gedanken hegt, die ich hier nicht äußern mag. Die Mutter ein Weltkonzern mit Milliardenumsätzen, aber einem mittellosen Witwer die Trauer auf diese Weise zu „versüßen“, das nötigt alles andere als Respekt ab.

Scharfe Bürozähne

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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7 Antworten zu Selbst wenn sie Recht hätten …

  1. BVerfG schreibt:

    Es geht wohl kaum um die zivilrechtlichen Fragen und im Übrigen auch nicht um Moral. Es geht um Anstand. Die beiden Sachen sind nicht identisch. Zudem legt er glaub ich nicht nahe, dass VW auf das Geld verzichten sollte, sondern, dass man das ganze evtl. auch etwas…freundlicher lösen könnte als eiskalt einen Brief mit Rechnungsaufstellung vorbei zu schicken.
    Darauf hat man zwar zivilrechtlich keinen Anspruch, menschlich aber vielleicht schon?

  2. veri schreibt:

    Na, ich würde ja auch gerne mal wissen wie er das regelt, wenn ein Mandant stirbt und noch nicht seine Rechnung bezahlt hat.

  3. JJ Preston schreibt:

    Sagen wir’s so:
    Irgendwoher muss VW ja das Geld für den nächsten Betriebsausflug und die brasilianischen Nutten kriegen…

  4. kj schreibt:

    Ich musste mich mal disziplinarisch gegen eine DIenstaufsichtsbeschwerde des Leiters der Staatsanwalt wehren, weil ich einen Strafbefehl wegen fahrlässiger Tötung eines Fußgängers nicht unterschrieben hatte, sondern Termin anberaumt hatte, weil mir die Geldstrafe von 2.400 (80 TS a 30 Euro) Euro für den Mercedesfahrer trotz Mitverschulden des Opfers zu gering erschien. Hätte unnötig seine Leute beschäftigt. War vielleicht so, die TS Anzahl war vertretbar. Angeblich war der Mercedes aus besseren Zeiten.

  5. rawsiebers schreibt:

    Wenn die Ehefrau auch durch eigenes Verschulden in meinem Büro umgekommen wäre, um diesen idiotischen Vergleich mit meiner Anwaltsrechnung aufzugreifen, würde ich verzichten und dem Mann noch tröstende Worte zukommen lassen, und zwar egal wie hoch die ausstehende Rechnung wäre.

  6. RA Krause schreibt:

    Blöd, dass die Kollegen von der Kanzlei Großbude und Dr. Textbaustein keine einfühlsamen Textbausteine haben und sich eh keiner die Zeit nimmt, den Fall aus allen Richtungen zu durchdenken…

  7. Serenity schreibt:

    Allein schon aus Image-Gründen hätte man als größeres Unternehmen verzichtem können, wenn schon nicht aus Mitgefühl mit dem Ehemann. Ein gutes Image ist übrigens auch bares Geld wert für ein Unternehmen. Das sollte man sich durch solche Aktionen nicht selbst ankratzen.

    Mal davon abgesehen ist generell nicht alles, was rechtlich möglich ist auch taktisch klug bzw. sinnvoll.

Kommentare sind geschlossen.