Mit vorsintflutlichen Methoden gegen Netzkriminalität

Schön, wenn man sich kümmert, um Strafverteidigern Arbeit zu verschaffen. Wichtig, sich dabei auch um Kriminalität im Bereich Computer, Internet etc, zu kümmern.

Sicherheitsexperten aus 60 Nationen beraten ab heute in Berlin über den Kampf gegen Kriminelle im Internet. Mehr als 1000 Vertreter von Polizei, Sicherheitsbehörden und Politik kommen zum Europäischen Polizeikongress zusammen. Fachleute beklagen eine wachsende Gefahr durch Kriminalität im Netz.

Quelle: Wolfenbütteler Zeitung

Vielleicht sollte man aber auch darüber nachdenken, moderne Technik selbst zum Einsatz zu bringen, um schnell und kompetent reagieren zu können. Wer Akten noch in Papierform führt, Rückseiten in diesen Akten mit unleserlichen handschriftlichen Kulinotizen vollpinnt, diese Akten dann in Umzugskartons von Paketdiensten in der Weltgeschichte herumschickt oder auf 50 Jahre alten Holzwägelchen durch die Behörden schiebt, sollte sich nicht wundern, dass „die andere Seite“ immer viele Schritte voraus ist.

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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5 Antworten zu Mit vorsintflutlichen Methoden gegen Netzkriminalität

  1. kj schreibt:

    Nach 6 Jahren angeblicher Dienstunfähigkeit darf ich nun als Amtsrichter wieder öde Zivilsachen machen. Der 1,5 jährige Ausflug ins Strafrecht ging gründlich schief.
    Früher ging eine Terminverlegung in sekundenschnelle, hinten 1. NT 26.10 13 Uhr 2. umladen geschrieben, die Akte verließ erst gar nicht die Geschäftsstelle. Heute muss ich das in den Computer eingeben, dauert bei Übung 5 Minuten plus Lauferei 1 Minute (wenn man 6-8 Akten trägt). Im Schnitt verliert man etwa 30 Min Arbeitszeit am Tag, also 10 Stunden monatlich durch die EDV. Versuche mit elektronischer Akte ergaben, dass sich die allermeisten Richter die Schriftsätze ausdrucken ließen und sich selbst eine Akte bastelten.
    Eine gute Sekretärin ist einem Computerprogramm immer noch haushoch überlegen. Die EDV ist gut in Datenverwaltung und revolutionär war die Textverarbeitung. Hier habe ich seit dem ausgereiften Word für DOS vor 20 Jahren aber nichts besseres mehr erlebt. Das Buch, das Fahrrad, die Akte, der Ottomotor (solange ÖL nicht knapp wird), alles was sich bewährt hat, ist sehr langlebig.

  2. malnefrage schreibt:

    Nachdem der Rechtsstaat gebietet, alle Entscheidungen mit Gründen und ausführlicher Rechtsmittelbelehrung nebst schriftlichem Nachweis auch Trinchen Müller wegen des 20. Gefrierhähnchendiebstahls zuzustellen und niemand in Deutschland aufgrund seiner unverbrüchlichen Menschenwürde gezwungen werden kann, einen zustellfähigen Acoount zu unterhalten, die Justiz in der Masse keineswegs Internetkriminelle, sondern Verkehrsstraftaten (mit papierenen Unfallskizzen, papierenen Anhörungsbögen etc), therapieresistente Junkies, banale Schlägereien und Diebstähle verfolgt, sehe ich kein Problem darin, dass Akten in Papierform geführt werden und man im Einzelfall etwa bei Großverfahren scannt.
    Abgesehen davon weiß ich nicht, wie groß denn die wahre Bereitschaft in der Anwaltschaft ist, sich derartigen Dingen zu stellen. Ich denke da an die Diskussion bei Einführung des
    elektronischen Mahnverfahrens (AnwBl. 2008,779) . In Österreich gibt es keine Anwaltszulassung, wenn man nicht über die technische Ausstattung zur Teilnahme am elektronischen Rechtsverkehr verfügt. Ich sehe schon die Heerscharen an 70jährigen bundesdeutschen Schreibmaschinenanwälten, die bei einer solchen Regelung in Deutschland den Gang nach Karlsruhe und Straßburg antreten werden.

  3. Hermann schreibt:

    Schreibmaschine ginge ja noch. Heute schickt mir ein Kollege einen Schriftsatz, der auf einem 9-Nadeldrucker ausgedruckt wurde, bei dem zwei Nadeln offenbar seit 1987 defekt sind. Leider kann ich deshalb die gesetzte Frist nicht entziffern, tippe aber auf den 35. Mai 2031. Aber auch die Schreibmaschinenschriftsätze mit zwei Durchschlägen mittels Blaupapier gib es immer noch, in denen vorzugsweise auf 25 Jahre alte Kommentarfundstellen und Normen verwiesen wird, die bereits vor 10 Jahren abgeschafft wurden. Das eint den 80-jährigen Anwalt mit der Amtsgerichtszweigstelle in Hintertuttelbach. Manchmal findet man dort auch Richter, die ihre vor 8 Jahren stattgefundene Pensionierung verschlafen haben.

  4. Saskia schreibt:

    Am Besten man kippt dieses Internet einfach um, damit die Kriminellen da alle rausfallen, die darin wohnen.

    Mal im Ernst, die größten Verbrecher im Internet sind die Konzerne, die überall auf der Welt die Datenschutzregeln diktieren und durchlöchern. Die deutschen Richter schauen nur zu und verdrehen bestehende, problemlos anwendbare Gesetze, um es ihnen leicht zu machen. Sie wollen ja die Wirtschaft nicht hindern. „Eigentlich ist Diebstahl verboten aber ich sehe sie verdienen mit dem Weiterverkauf Geld, das wollen wir natürlich nicht behindern.“

    Wie neulich das Urteil des S-H’ischen Datenschutzbeauftragten gegen Facebook eindrucksvoll bewies – Facebook habe hier gar keine Niederlassung und müsse sich nicht an deutsches Recht halten. Das ist so als würde man einem kroatischen Fernfahrer sagen, er könne ruhig ohne Beleuchtung weiterfahren und gefährden, weil seine Spedition hier keine Niederlassung habe… unüblich, oder?

    Gruppen wie Anonymous mögen Selbstjustiz üben, doch nur weil sie einen unvertretbaren Zustand abstellen wollen und keine anderen Mittel finden … und das bringt ihnen die Akzeptanz durch die Bevölkerung ein. Und davor haben die Internetauskipper jetzt Angst.

    • Saskia schreibt:

      * … das Urteil im Prozess des S-H’ischen Datenschutzbeauftragten gegen Facebook …

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