Geheimjustiz wegen Erotikfotos?

Natürlich müssen Opfer geschützt werden, natürlich ist es für Opfer unangenehm, wenn in ihre Intimsphäre eingedrungen wird, natürlich will keine Lokalpolitikerin offenbaren, dass sie möglicherweise durch Erotikfotos erpressbar gewesen sein könnte.

Aber sind bestimmte Opfer schützenswerter als andere? Dürfen Prozesstermine bei dem einen Opfer verschwiegen werden, bei dem anderen aber nicht.

Messen das Amtsgericht Wolfenbüttel und die Staatsanwaltschaft Braunschweig mit zweierlei Maß? Der Eindruck (leider): ja!

Die Polizei griff bei der Geldübergabe zu: Die Ermittler fassten den mutmaßlichen Erpresser und eine Frau, die ihm bei der Tat geholfen haben soll. Das Schöffengericht Wolfenbüttel macht dem Duo nun den Prozess wegen versuchter Erpressung. Termin ist im Juni.

Mehr als zwei Jahre wird es dann her sein, dass der im Kreis Wolfenbüttel gemeldete Angeklagte der Braunschweigerin mit der Veröffentlichung der freizügigen Fotografien gedroht haben soll – für den Fall, dass sie den von ihm geforderten Preis nicht zahle.

Justiz und Ermittlungsbehörden behandeln die pikante Angelegenheit seither mit erhöhter Sensibilität. Der Fall blieb bis jetzt geheim. Weil das Opfer gewählte Mandatsträgerin ist, soll nach Informationen unserer Zeitung auch der Staatsschutz der Polizei eingebunden gewesen sein. Das Amtsgericht Wolfenbüttel, so dessen Sprecher Stefan Ziebler, habe bis zur Anfrage unserer Zeitung erwogen, nicht einmal den Prozesstermin öffentlich bekannt zu machen – wie es sonst selbst bei Verfahren zu Straftaten von geringerer Bedeutung üblich ist.

Quelle: Wolfenbütteler Zeitung

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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6 Antworten zu Geheimjustiz wegen Erotikfotos?

  1. BamBam schreibt:

    Typisch, dunkle Kurpfuscher im Hintergrund entscheiden willkürlich, wer an den Pranger kommt oder nicht, egal ob auf Opfer- oder Täterseite. Unterste Schublade, schämen sollten die sich, von wegen, alle Menschen sind vor dem Gesetz -der Justiz- gleich.

  2. Fritz Bauer schreibt:

    Da ja tatsächlich normalerweise Prozesstermine vor dem Strafrichter oder vor dem Schöffengericht nicht öffentlich bekanntgemacht werden, wird nun durch die Veröffentlichung des Termins das Opfer an den Pranger gestellt.

    Ich frage mich tatsächlich, wo hier der Skandal liegen soll. Von Geheimjustiz kann keine Rede sein. Ist das ein Fall von Verfolgungswahn des Blogautors?

  3. Wer wird an den Pranger gestellt? Die Politikerin, weil Sie Erotikbilder besaß? Na und?

    Wahrscheinlich musste etwas anderes verschwiegen werden.

  4. kj schreibt:

    Ich denke schon das manche Opfer schützenswerter sind als andere. Hier sollte es aber keine Unterscheidung geben, ob das Erpressungsopfer von Erotikfotos z.b. Grundschullehrerin, Muslima oder Mandatsträgerin ist. Für eine unterschiedliche Handhabung fehlt es an Anhaltspunkten.

  5. Besserwisser schreibt:

    @ kj

    Sie und auch der Blogautor haben den Kern der Sache nicht verstanden.

    Da normalerweise Prozesse dieser „Güteklasse“ überhaupt nicht in der Presse erwähnt werden, fragt man sich, warum gerade dieser Prozess Erwähnung gefunden hat.

    Wenn sich hier einer über Ungleichbehandlung beschweren könnte, dann das Opfer im hier erwähnten Fall.

    Man fragt sich, ob einige mit dem Kopf voll Verschwörungstheorien im Gerichtssaal überhaupt noch ein vernünftiges Plädoyer auf die Reihe kriegen.

  6. kj schreibt:

    @besserwisser
    kann sein. Der Prozess wurde in der Presse erwähnt, weil die Dame in der lokalen Öffentlichkeit bekannt ist, Wen interessieren schon Erotikfotos von unbekannten Damen.
    Sie haben aber recht, das das nichts mit Verschwörung zu tun hat.

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