Wozu Berufserfahrung gut sein kann

Es ging um die Beleidigung eines Polizeibeamten, ein Delikt, mit dem ich persönlich vertraut bin ( http://www.vier-strafverteidiger.de ). Heute ging es aber nicht um mich, vielmehr soll ein Mandant einem Polizisten bescheinigt haben, dass er ihn für ein männliches geschlechtsreifes Hausrind hält.

Blöde Kuh

 

So weit, so schlecht. Aber mein Ansinnen, doch eine Einstellung zu erwägen, traf bei dem Richter auf höchst fruchtbaren Boden, weil er mitteilte, dass er einst selbst Polizeibeamter gewesen sei und dass bei ihm die Hemmschwelle bezüglich irgendwelcher Tierbezeichnungen bezogen auf die Ausübung dieses Berufes deutlich höher gelegen habe.

Über zwei Jahre gekämpft, jetzt ein gutes Ende mit einem sanften Einstellungsbeschluss gegen Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 250,00 €.

Für jemanden der doppelt unter Bewährung steht, sicher kein schlechtes Ergebnis.

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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5 Antworten zu Wozu Berufserfahrung gut sein kann

  1. RA Anders schreibt:

    Es ist unter Umständen schon komisch, wie schnell sich Polizeibeamte beleidigt fühlen. Auch fällt mir immer wieder auf, dass teilweise inflationär Anzeigen wegen Widerstand oder aber Körperverletzungen in Folge von Polizeiansätzen erstattet werden. Gerade bei unter Bewährung stehenden Mandanten entsteht dadurch immer ein großes Problem.
    Auffällig dabei ist auch, dass immer wieder die gleichen Polizisten beleidigt und verletzt werden, andere dagegen nie.

  2. gaejawen schreibt:

    Richter mit Humor sind toll!

  3. Jochen Hoff schreibt:

    Ich finde das Urteil falsch. Mit der Umschreibung männliches geschlechtsreifes Hausrind meinen sie den Ausdruck Bulle.Dieser jedoch ist eine Sammelbezeichnung für eine große Zahl von männlichen Tieren, die nicht unbedingt etwas mit dem Haus zu tun haben. So ein Nashornbulle geht bestenfalls mal durch eine Lehmhütte hindurch, lebt dort aber nicht wirklich.

    Es ist mir übrigens klar, dass ihr Mandant den Giraffenbullen meinte, der so hoch über dem Boden steht wie der Polizist über dem Gesetz. Aber trotzdem Es kann und darf nicht sein, das anständige Bullen die all ihre Kraft in die Vermehrung ihrer Art legen mit Polizisten verglichen werden, deren Nützlichkeit in weiten Teilen doch sehr umstritten ist. Für diese Art von Beleidigung sollten 3 Tage Gefängnis das Minimum sein.

    Die ständige Beleidigung von Tieren muss aufhören. Das meint übrigens auch die Kuh Lisa die mich mit versonnenen braunen Augen unter wunderschönen Wimpern anschaut und es gar nicht mag wenn sie mit gewissen weiblichen Trashmillionärinnen im Proletenfernsehen verglichen wird.

  4. kj schreibt:

    Der Gesetzgeber sollte die Beleidigung, Verleumdung etc. als Ordnungswidrigkeit runterstufen, um die Staatsanwaltschaft zu entlasten. Ein Schmerzensgeld sollte bei Beleidigungen im Dienst dem Dienstherrn zustehen.

    Es gibt Rechtssprechung, das Polizisten umgangssprachlich wertfrei als „Bullen“ bezeichnet werden und das das deshalb kein beleidigenden Charakter hat. Hier käme ein unvermeidbarer Verbotsirrtum in Betracht, solange es nur diese veröffentliche Rechtsprechung gibt,

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