Die Vorsorge und die Nachsorge

Eine Strafkammer, die sich Gedanken über Täter UND Opfer macht.

Zum Beginn der Hauptverhandlung teilt der Vorsitzende dem Angeklagten mit, dass er für den Fall einer Verurteilung bei dieser Kammer mit einem richtigen Brett rechnen muss und sich überlegen soll, zu gestehen, wenn es etwas zu gestehen gibt. Deutliche, aber auch aus Sicht der Verteidigung angemessene Worte.

Im weiteren Verlauf -der Angeklagte hatte geschwiegen- dann der Freispruch. Danach der Hinweis des Vorsitzenden -ohne zu moralisieren und ohne Zähneknirschen- an den Angeklagten, dass man gerade nicht feststellen konnte, dass die Belastungszeugin gelogen und ihn absichtlich belastet habe sondern, dass man von einer Autosuggestion ausgehen müsse und dass die Zeugin tatsächlich an ihre unwahren Belastungen glaubt; der Angeklagte möge deshalb die Zeugin „in Ruhe lassen“.

Auch ich hatte dem Angeklagten schon zuvor erklärt, dass eine „Gegenanzeige“ bei dieser Konstellation keinen Sinn macht.

Hat er verstanden.

Insgesamt die richtigen Worte des Kammervorsitzenden zum richtigen Zeitpunkt im Rahmen von Vor- und Nachsorge.

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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3 Antworten zu Die Vorsorge und die Nachsorge

  1. kj schreibt:

    Das die Zeugin, soweit tatsächlich unwahr, nicht wusste, das das was ihr eingeredet wurde, nicht der Wahrheit entspricht, ist bei einer mehrfachen Vergewaltigung nicht nachvollziehbar, soweit die Zeugin nicht wahnhaft krank ist. Das Täter und Opfer unschuldig sind, entspricht eher der Wunschvorstellung der Beteiligten.
    Richtig ist natürlich das die Unschuld Ihres Mandanten auch nicht erwiesen ist, sondern nur erhebliche Zweifel an seiner Schuld bestehen, so das eine Gegenseite auch keinen Sinn macht.

  2. RA Werner Siebers schreibt:

    Autosuggestion bedeutet, dass sich eine Person selbst (nicht durch andere) etwas einredet und dann zur subjektiven Wahrheit werden lässt; ein tatsächlich existierendes Phänomen, das bei der Glaubhaftigkeitsbeurteilung immer geprüft werden muss. Das hat nun aber auch gar nichts mit einer angeblichen Wunschvorstellung zu tun!

  3. kj schreibt:

    Ein Frau kann sich vielleicht einreden, sie sei vergewaltigt worden, wenn der Mann vielleicht nicht so rücksichtsvoll und es schmerzhaft für sie, aber eigentlich doch freiwillig war.
    Aber sich einreden, es habe gewaltsamen Sex stattgefunden, wo gar nichts war, da bleibe ich skeptisch. Ich denke, eher manche haben da Belastungseifer und wollen dann nur nicht zugeben, das da nichts war und bleiben bei der Lüge.
    Sicherlich schöne auch ich selbst mal die Wahrheit und glaube dann selbst daran, Aber das sind dann keine gänzlich erfundenen Sachen und schon gar nicht von derartiger Schwere.

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