Was Dir Dein Autoverkäufer nicht erzählt

Man kennt das: Irgendwann ist man sich einig über den Preis für sein Traumauto, jetzt geht es an die Finanzierung. Der Autohändler hat da etwas im Angebot. Irgendwann meint er, man solle doch die Laufzeit einfach noch ein wenig strecken, das erhöhe zwar nur minimal den Zinssatz, aber die monatliche Belastung sei deutlich niedriger.

Was er Ihnen dabei vergisst zu erzählen, hat gestern ein Mitarbeiter einer Autobank als Zeuge in einem Betrugsverfahren haarklein erklärt: Ab einem bestimmten vereinbarten Zinssatz erhält das Autohaus bzw. der Verkäufer persönlich eine Vermittlungsprovision von der Bank. Und diese richtet sich nach dem Gesamtzinsvolumen, das bedeutet, je höher der Zinssatz und je höher die Laufzeit desto höher die Provision.

Je schlechter also die Finanzierungskonditionen für den Kunden desto höher die Provisionen für die Vermittlung des Kredites. Und diese Provisionen sind oft höher als der Gewinn, der durch den Verkauf des Autos entsteht. Der Verkäufer hat also nicht nur kein Interesse daran, für den Kunden eine möglichst günstige Lösung zu finden, das Gegenteil ist der Fall. Er hat ein erhebliches eigenes Interesse, die Kreditkonditionen so schlecht wie möglich zu gestalten, damit seine Provision so hoch wie möglich ist.

Man sollte es nur wissen, wenn man sein nächstes Auto finanziert.

Der saubere Passat

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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6 Antworten zu Was Dir Dein Autoverkäufer nicht erzählt

  1. kj schreibt:

    Ja, lieber Gast, das ist genauso. Je höher der Streitwert, desto mehr verdient der Anwalt. Der Mandant verliert hier oft doppelt, die Gebühren werden aufgebläht und die Quote des Unterliegen wächst. Oder es werden Dinge geregelt, die gar nicht im Streit stehen, wie das Familienauto oder das Einfamilienhaus bei der Scheidung.
    Die meisten Anwälte denken zuerst an ihr Gewinninteresse und viele führen häufig erbitterten Streit, ob ihr Honorar nun 1250 oder 1274 Euro beträgt.
    Gibt auch andere.

  2. kj schreibt:

    Noch ärger ist es mit Versicherungsverträgen und Finanzprodukten. Da gehen, ich bin mal vorsichtig – manchmal- 20 % an Provisionen drauf. Das heißt aus 10.000 Euro werden mit Unterschrift erst mal 8.000. Da müssen erst mal ordentlich Gewinne gemacht werden, um den Kunden überhaupt in die Gewinnzone zu bringen, was natürlich nur mit gesteigertem Risiko geht.
    Von 100 Fonds läuft sicher einer immer gut, dessen Performance wird dann rausgestellt, die 95 verlustbringenden werden dann nicht erwähnt.

  3. rawsiebers schreibt:

    Als Strafrechtler habe ich mit Streitwerten, Familienautos und Finanzprodukten nichts am Hut; und meinen Mandanten empfehle ich selten, schnell nochmal den nächsten umzubringen oder die nächste Tonne Kokain zu importieren, damit ich meine übernächste Million an Vergütung verdient habe. Oft bleiben hier die kümmerlichen Pflichtverteidigergebühren hängen – und ich kämpfe auch für diese Mandanten ohne Ansehen von Person oder Portemonnaie.

  4. kj schreibt:

    Ich denke schon, das Sie ihre Arbeit ordentlich machen und dafür keine unangemessenen hohen Gebühren verlangen. Es gibt ja auch ordentlich und neutral arbeitende Staatsanwälte.
    Nur kann man über die schlecht lästern. Ihren Hinweis mit dem Autohändler fand ich eigentlich auch überaus nützlich. Es machte aber mehr Spass zu Trollen, als Gast den Anstoss dazu gab,

  5. rawsiebers schreibt:

    Das mit dem Spaß am Trollen habe ich schon verstanden und kann damit auch gut umgehen. Weiter so!

  6. Markus schreibt:

    Gut zu wissen. Für den Verkäufer sollte dann auch ein Anreiz bestehen für diesen Kredit mit dem Kaufpreis runterzugehen.

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