Treffer, versenkt!

Der Zeuge war sich ganz sicher, dass der auf der Anklagebank sitzende Mann -neben mir, nicht ich!- der Täter war.

Mit dem Zeugen wurde dann die „Wahllichtbildvorlage“ erörtert, die ein Polizeibeamter, natürlich der Sachbearbeiter höchst persönlich, durchgeführt hatte.

Sechs Fotos, geklebt auf eine Seite, mein Mandant mit Glatze, die anderen mit Haaren auf dem Kopf, das Bild des Mandanten unschärfer, ein Blinder konnte sehen, wer gefunden werden sollte.

Dem sachbearbeitenden Polizeibeamten konnte ich dann nur eine Frage stellen, nämlich:

„Herr Ochse, was wissen Sie über sequentielle Wahllichtbildvorlagen?“

Antwort: „Von was?“

Darauf der Vorsitzende des Schöffengerichts: „Herr Staatsanwalt, wollen wir gleich freisprechen oder wollen wir uns das hier weiter antun?“

Es wurde gleich freigesprochen.

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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2 Antworten zu Treffer, versenkt!

  1. Martin Overath schreibt:

    „Wir“ sprechen frei, Vorsitzender Richter und Staatsanwalt. Die Schöffen sind also mal wieder Komparsen am (Berufs-)Richtertisch.

  2. rawsiebers schreibt:

    Das war in diesem Fall ganz sicher nicht so. Das Schöffengericht hat nach diesem kurzen Intermezzo beraten, die beiden Schöffen machten ganz sicher nicht den Eindruck, „überfahren“ worden zu sein. (obwohl das sicher ganz oft so ist!)

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