Silvester- und Neujahrsansprache

Liebe Beschuldigte, Angeschuldigte, Angeklagte und anderen Betroffene, die noch gar nicht wissen, dass der Staat sie auf dem Kieker hat,

ich wünsche Euch gut ausgebildete, ergebnisoffene und nicht von Karrieregeilheit gesteuerte Polizeibeamte, faire und bewegliche Staatsanwälte (gut ausgebildet sind die ja alle, einige haben vielleicht nur einiges vergessen – in dubio pro reo zum Beispiel) und, wenn es dann trotzdem zum Gang nach Canossa kommt, Richter, die ihre Aufgabe nicht darin sehen, Anklagen zu bestätigen sondern darin, ein Ergebnis zu finden, das jemand mit seinem Gewissen vereinbaren kann, der eines hat.

Und natürlich wünsche ich Euch Verteidiger, die diesen Namen verdienen und nicht den Darmausgang anderer Prozessbeteiligter suchen oder Stunk um des Stunkes Willen zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort machen.

Und, zum Abschluss, merkt Euch: Im Strafprozess geht es nie um die Wahrheit, es geht immer nur um die Überzeugung des Gerichtes. Es gilt also nicht, die Wahrheit zu manipulieren, vielmehr nur darum, die Überzeugung des Gerichtes in die richtigen Bahnen zu lenken, und zwar auch bei den Richtern, die diesen Job nur und ausschließlich haben, weil sie glauben, aufgrund guter Examina die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben.

Also: Ran an die Ungereimtheiten!

IMG_0806

 

Advertisements

Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
Dieser Beitrag wurde unter Braunschweig, bundesweit, Fachanwalt, Rechtsanwalt, Strafrecht, Verteidiger abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Silvester- und Neujahrsansprache

  1. sowhy schreibt:

    Ohne meinen Kollegen zu nahe treten zu wollen, aber „gute Examina“ ist nicht unbedingt das selbe wie „gut ausgebildet“. Gute Examina kriegt man auch mit viel Auswendiglernen und null Denken

  2. gaejawen schreibt:

    Wenn doch nur ein paar mehr Anwälte endlich mal hinter den (Achtung Metapher!!!) „FÜNF“ angewandten Paragraphen hinausschauen würden, dann wäre unser Rechtssystem auch nicht so armselig in seiner Ausführung!

    Deutsche Gesetzestexte umfassen mehrere tausende von Seiten! Angewandt werden höchstens 3-5 % der niedergeschriebenen Paragraphen, davon muss man dann auch wieder 1,5 % abziehen, welche einfach ignoriert werden, da sie sonst mehr Arbeit bedeuten würden…..

    Wenn ich eine derartige Arbeitsmoral an den Tag legen würde, dann wäre ich schon lange nicht mehr mit Einkünften gesegnet 😉

    (P.S. Ich bin zwar keine Anwältin, aber gelernte Anwaltsgehilfin und derzeit in der Hauptsache als Pferdetrainerin und Reitausbilderin tätig!)

  3. kj schreibt:

    Muss ich zustimmen. Anstatt zum Beispiel zu bedauern, das zu wenig Pflichtverteidigungen bestellt werden, könnte man das Gericht mit Kommentar und Literatur überzeugen, warum dies in dem Falle gerade notwendig ist. Bei meinen Obdachlosen bemühen sich da wenige Anwälte, manche reagieren dann noch verärgert, wenn man Ihnen auf die Sprünge helfen will.

Kommentare sind geschlossen.